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Allgemeines

1900 -  das erste Laufwasserkraftwerk an der oberen Saale geht mit einer Leistung von 150 kW in Betrieb. Die Energie wird über eine 1,5 km lange

Freileitung zur Ziegenrücker  Holzstoff- und Pappenfabrik geleitet. Die Anlage lieferte bis 1965 Strom, wurde danach geschlossen, um 1966 als  Wasserkraftmuseum  wieder geöffnet zu werden.

1997 wird ein Teil der alten Wasserkraftanlage reaktiviert und wieder zur Stromgewinnung genutzt. Mit einem neuen  Generator wird seither in das öffentliche  Netz eingespeist.

Eigentumsverhältnisse des LWK Fernmühle:

  • 1900 – 1920 Holzstoff- und Pappenfabrik Ziegenrück
  • 1920 – 1963 Carl-Zeiss-Jena
  • 1963 – 1965 Pumpspeicherwerke Hohenwarte
  • 1965 – 1997 Stadt Ziegenrück
  • 1997 – 2002 VEAG Berlin
  • seit 2002 Vattenfall
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Kraftwerk

Das Laufwasserkraftwerk „Fernmühle“ ging 1900 in Betrieb. Bis heute ist die Anlage, außer kleinen Veränderungen 1920 durch die Firma
Carl-Zeiss-Jena und 1997 durch die VEAG, im Original erhalten geblieben.
Wegen „Überalterung und technischem Verschleiß“ wurde das Kraftwerk 1965 vom Netz genommen und als Museum 1966 wieder eröffnet.
Eine der beiden Francis-Schachtturbinen konnte 1997 wieder in Betrieb genommen werden. Mit 90 kW wird niederspannungsseitig in das
Ortsnetz von Ziegenrück eingespeist.
Beeindruckend ist noch heute das Schwung- und Übersetzungsrad mit 5 Metern Durchmesser, ebenso der 26 Meter lange Lederriemen der Anlage.
Öldruckregler und automatischer Spannungsregler, holzverzahntes Kammrad, Marmorschalttafeln und eine Hell-Dunkel-Schaltung der
Synchronanlage komplettieren die alte Anlage, die zu Schauzwecken mit etwa 1/8 der ursprünglichen Drehzahl betrieben wird.

Turbinenkammer

Eine Turbinenkammer wird 1997 für die Besucher zugänglich gemacht. In der Turbinenkammer ist eine der beiden Francis- Schachtturbinen im eigentlichen Wirkungsraum zu sehen.
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Hochspannungsraum

Das Wasserkraftmuseum bietet  den Besuchern täglich (11:00 und 15:00 Uhr) eine öffentliche Hochspannungsvorführung an.

Die neueste Anschaffung im Hochspannungsraum, ein Musik-Teslatransformator, ist bis heute sogar einzigartig in den deutschen Museen. Die Besucher können hautnah Hochspannungsphänomene erleben: Effektvolle Versuche mit Wechselspannung bis zu 80.000 Volt, und Experimente mit Impulsspannung von etwa 400.000 Volt.

  1. Das Vorführprogramm

    1. a) Spannungswandler mit 110kV
    • Spannungsüberschläge und wandernder Lichtbogen
    1. b) Prüfstromtransformator mit 2 x 70kV
    • Sprühentladung (Korona und Gleitentladung) in/auf einer Glasröhre
    1. c) Stoßspannungsgenerator 1 Million Volt
    • simulierte Blitzeinschläge in einen Blitzableiter bei etwa 400.000 Volt
    1. d) Teslaentladungen
    • etwa 600kV-Entladung, Hochfrequenz
    • etwa 1,2 Mio. Volt- Musikteslatransformator

Megablitzvorführung

  • Nach Voranmeldung, Teilnehmerzahl max. 20 Personen (Programm siehe oben und zusätzlich mit dem Stoßspannungsgenerator 1 Mio. Volt)
  • Blitzeinschlag in Bäume / Holzstab
  • Blitzbild – kann mit nach Hause genommen werden
  • lautstarkes Verdampfen eines dünnen Drahtes

mit dem Teslatransformator

  • Wunschmusik – etwa 25 verschiedene Titel möglich (auch Happy Birthday, Klassik, Pop, Rock, Filmmusik)

mit kleinem Teslatransformator

  • Simulation von elektrischen Feldern.
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Saalekaskade

Ein etwa 26 m² großes Landschaftsmodell der oberen Saale zeigt die Standorte der einzelnen Talsperren.

  • Bleiloch – die wasserreichste Talsperre mit 215 Mio. m³
  • Burgkhammer = Ausgleichsbecken 5,7 Mio. m³
  • Talsperren Walsburg und Wisenta 2,62 Mio. m³ und 1,03 Mio. m³
  • Hohenwarte I 182 Mio. m³
  • Eichicht = Ausgleichsbecken 5,14 Mio. m³
  • Hohenwarte II 3,28 Mio. m³

Auf dem Modell sind ebenfalls Wander- und Radwege, Ortschaften, Straßen, Sehenswürdigkeiten, Bahnlinien, der alte Saaleverlauf, versunkene Mühlen, Hochspannungstrassen u.v.m. dargestellt.

Die Ausstellung gibt Auskunft über die Gründe, die zum Bau der Saalekaskade geführt haben, zeigt aber auch die Probleme, die durch den Stau der Saale entstanden.

Zu sehen ist auch ein Brennstoffzellenmodell, als Alternative zur Speicherung von Energie mittels Wasser und Wasserstoff. In Arbeit ist ein Modell zum Energiefluss (Energiegewinnung, Transport, Speicherung, Verbrauch in Industrie und Haushalt). Verschiedene Kraftwerke, Speicher und Abnehmer werden im 24-Stunden-Rhythmus betrachtet.

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Tauchertechnik

Um die Sicherheit der Talsperren zu gewährleisten, müssen die Stauanlagen auch von der Wasserseite untersucht werden. Mit der ausgestellten Tauchertechnik von ca. 1930 wurde nach dem II. Weltkrieg z.B. die gesprengte Brücke in Saalburg geborgen. Mit den unter Wasser mittels Schneidbrennern getrennten Stahlträgern wurde eine wichtigere Brücke über die Elbe repariert. Die Luftzuführung für den Taucher erfolgte mittels Hebel-Tauchpumpe, die ständig manuell bedient werden musste, um den Taucher in 25 – 30 Metern Tiefe mit Luft zu versorgen. Zum Pumpen waren 2 – 4 Mann erforderlich.

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Geologie

Grundvoraussetzung für den Bau von Talsperren ist u.a. auch eine bestimmte Festigkeit des anstehenden Gesteins. Im Bereich der Bleilochtalsperre ist es Diabas und im Raum der Hohenwartetalsperre Grauwacke und Tonschiefer. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Bereich der heutigen Bleilochtalsperre war u.a. der Bergbau. Neben Blei, Silber, Kupfer, Zinn, Eisen, Nickel, Kobalt und Alaunschiefer wurde auch Gold abgebaut bzw. geschürft. Die Edelmetallgewinnung hatte aber, in Summe gesehen, keine besondere Bedeutung. Eine weitaus größere Rolle spielte hier der Abbau von Eisenerz. Die größte Bedeutung an den Bodenschätzen erreichte der Abbau von Marmor. Der „Saalburger Meergrün“, dessen Abbauort mit dem Stau der Bleilochtalsperre verloren ging, wurde nicht nur in Deutschland, sondern auch über die Grenzen hinaus bekannt.

Stadtgeschichte

Der Ort Ziegenrück wurde um 1000 gegründet. 1328 erhielt der Ort sein Stadtrecht. 1815 wurde Ziegenrück Kreisstadt im Regierungsbezirk Erfurt der  preußischen Provinz Sachsen. 1945 erfolgte die Auflösung des Kreises Ziegenrück und die Angliederung an den Kreis Saalfeld. Ziegenrück ist heute ein „Staatlich anerkannter Erholungsort“ mit etwa 700 Einwohnern – und immer noch Stadt. Zu sehen ist in der Ausstellung ein geschichtlicher Abriss zur Entwicklung des Ortes, eine historische Schützenkette, ein Werbefilm von 1938 über den Ort und einige weitere Kostbarkeiten, so auch die Fahne der ehemaligen Ziegenrücker Ziegenzuchtgenossenschaft.

Handwerk & Wasserkraft

Die erste urkundliche Erwähnung einer Wassermühle an der Saale erfolgte 1258 mit der sogenannten „ Fernmühle“. 1265 soll Ziegenrück schon fünf Wassermühlen besessen haben. Unverständlich, denn die wenigen Menschen konnten wohl kaum genügend Arbeit für die Müller heranschaffen. Die größte Konzentration gab es vom 17. bis zum 19. Jahrhundert mit über 30 Mühlen und Hammerwerksstandorten im Bereich der heutigen Saalekaskade. Mühlen, die unmittelbar das Saalewasser als Antrieb nutzten, waren oft als Kombinationsmühlen mit Mahl-, Schneid-, Öl- und Lohmühle aufgebaut. So auch die „Fernmühle“ und die „Nähermühle“ in Ziegenrück. Die Mühlen an den Bächen müssten bei Trockenheit und somit bei Wassermangel „ein Brett Wasser“ kaufen. Damit waren die Eigentümer von den Teichen gemeint, die gegen Bezahlung etwas Wasser aus ihren Teichen opferten, damit die Mühlen wenigstens für einige Stunden wieder genügend Wasser hatten.

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Wasserradanlage

Von Mitte April an bis Ende Oktober können Sie an einem künstlichen Wasserlauf viele verschiedene Wasserräder und Wasserschöpf- bzw. Hebevorrichtungen bestaunen und auch selbst in Bewegung setzen.

Sonderausstellungen

Auf einer Fläche von etwa 140 m² werden in der 1.Etage des Spinnereigebäudes wechselnde Sonderausstellungen zu unterschiedlichen Themen gezeigt. Aktuell Ausstellungen finden sie in unseren Bereich Veranstaltungen.

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Bienen, Hornissen, Fische und Mäusehaus

Im Inventarbuch der alten Fernmühle von 1898 steht neben der Mahl-, Schneid-, Öl- und Lohmühle, einem Schuppen und Aalfang auch ein Bienenhaus. Da das Imkerhandwerk heute leider nicht mehr sehr verbreitet ist, zeigen wir unseren Besuchern ganz gefahrlos ein Bienenvolk. In Frühjahr und im Sommer können Sie den Tieren aus nächster Nähe bei der Arbeit zusehen. Auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere stehen die Hornissen. Wir Menschen haben diese Tiere fast ausgerottet. Das haben die friedlichen, wenn auch recht großen und recht laut fliegenden Tiere nicht verdient. Ein Hornissenstich tut sicher weh, aber wenn wir den Tieren mit Respekt begegnen und sie bei ihrer für uns nützlichen Arbeit in Ruhe lassen, brauchen wir nichts zu befürchten. Ab Ende Mai bis Ende Oktober könne Sie auch den Hornissen ganz nach sein – wenn Sie möchten! Im Aquarium unmittelbar vor dem Taucher, tummeln sich verschiedene Friedfische. Manchmal ist auch in der Turbinenkammer hinter einer dicken Glasscheibe eine Bachforelle zu sehen. Seit der Mensch Vorräte anlegt, werden diese von Schädlingen befallen. Mit den Vorräten sind neue Lebensräume entstanden, diese bieten beste Bedingungen für eine Massenvermehrung. In Mühlen und Getreidespeichern sind bei uns etwa 30 verschiedene Arten von Schädlingen bekannt. Dazu zählt auch die Maus! Hier im Wasserkraftmuseum haben die Mäuse ein eigenes Haus erhalten, in dem sie bei ihrem Treiben beobachtet werden können.